Episode 5: Management des periimplantären Weichgewebes mit Eigen- und Fremdmaterial
Shownotes
Dr. Jan Klenke praktiziert in Hamburg mit dem Schwerpunkt auf implantatprothetischen Behandlungskonzepten. Das periimplantäre Weichgewebe hat dabei einen besonderen Stellenwert. Die diesbezüglichen Konzepte unterscheiden sich je nach Implantationsregion (Front-/Seitenzahngebiet) und dem Zeitpunkt der Implantation. Ebenso stellt sich oft die Frage: Eigenmaterial oder Fremdmaterial? Bei der Wahl des in der individuellen Situation angewendeten Verfahrens spielen viele Kriterien eine Rolle. Umso wichtiger sind klare Guidelines für den Behandler. Warum sollte man bei einer Sofortimplantation in der Front immer Weichgewebe augmentieren? Was sollte bei der Freilegung beachtet werden? In welchen Fällen erscheinen azelluläre dermale Matrizes vorteilhaft? Was sind geeignete Einstiegstechniken ins Weichgewebemanagement? Diese und mehr Fragen beantwortet unser Experte.
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Transkript anzeigen
00:00:04: Das periimplantäre Weichgewebe rückt für den langfristigen Erfolg implantatgestützter
00:00:08: Rekonstruktionen immer mehr in den Fokus der chirurgisch-prothetischen Konzepte.
00:00:13: Welche Möglichkeiten sich diesbezüglich im Rahmen der Implantattherapie bieten,
00:00:17: besprechen wir heute mit Dr. Jan Klenke. Dr. Klenke betreibt zusammen mit Christian Regel in
00:00:22: Hamburg eine Praxis für Zahnheilkunde mit dem Schwerpunkt auf implantologisch-prothetischen
00:00:27: Behandlungskonzepten. Jan, wir sprechen heute über Implantate und Weichgewebe. In welchen
00:00:32: Situationen hältst du eine Weichgewebeaugmentation für notwendig oder zumindest ratsam?
00:00:37: Lieber Olli, ich denke, in viel mehr Situationen, als das so heutzutage durchgeführt wird. Aber man sollte da einmal
00:00:44: unterscheiden zwischen der ästhetischen Zone und dem Seitenzahngebiet. Im Seitenzahngebiet
00:00:49: geht es darum, dass wir befestigte funktionelle Mukosa periimplantär generieren, so von 2 mm.
00:00:56: In der Front brauchen wir das natürlich auch und in beiden Situationen in der Vertikalen
00:01:02: ungefähr 3 mm, damit sich die biologische Breite ausbilden kann. Wenn wir da dünnes Gewebe haben,
00:01:10: Implantate setzen und die freilegen, dann wird sich auch diese biologische Breite ausbilden, aber
00:01:16: zu Lasten des Knochens. Also wird Knochenverlust auftreten. In der Front ist es so, da gibt es ja
00:01:22: recht gute Studien, noch eine von Sanz-Martin, die einfach zeigt, dass die Wahrscheinlichkeit für
00:01:27: einen Weichgewebedefekt bukkal also ästhetisch in der ästhetischen Zone bis zu neun Mal größer ist,
00:01:33: wenn das Weichgewebe nicht verdickt wird. Da brauchen wir eben noch zusätzlich nach bukkal
00:01:39: möglichst so um die 3 mm Weichgewebedicke, damit es langfristig stabil bleibt, keine ästhetisch
00:01:44: unschönen Rezessionen entstehen und auch keine prothetischen Teile durchscheinen. Nun dient das
00:01:50: Weichgewebe ja auch als Resorptionsschutz für das Hartgewebe. Was muss man tun, um das Weichgewebe
00:01:56: um Implantate zu verdicken? Welche Techniken haben sich in deinen Händen an der Stelle bewährt? Auch
00:02:02: da würde ich noch mal gerne unterscheiden zwischen ästhetischer Zone und Seitenzahngebiet. Fangen wir
00:02:07: mal mit dem Seitenzahngebiet an. Da schauen wir vor der Implantation, wie dick ist die Mukosa
00:02:14: genau krestal in dem Gebiet, wo wir implantieren möchten. Wenn wir sehen, die ist uns zu dünn,
00:02:20: dann wird mit der Implantation oder Augmentation das Weichgewebe verdickt in der Vertikalen,
00:02:26: indem wir eine azelluläre dermale Matrix verwenden oder ein autologes Bindegewebstransplantat.
00:02:32: Beide funktionieren gut, damit wir dann später, wenn wir das Implantat freilegen
00:02:36: und sich die biologische Breite einstellt, keinen Knochen verlieren. Das ist erstmal
00:02:40: das Seitenzahngebiet. In der ästhetischen Zone ist es so, dass wir ja zwei Möglichkeiten haben:
00:02:48: Entweder wir implantieren spät oder wir implantieren sofort. Und das Wichtigste für
00:02:54: mich ist eigentlich in der ästhetischen Zone, dass bevor so ein Zahn entfernt wird, erstmal geschaut
00:03:00: wird, was haben wir als Therapieoption. Wenn ein Zahn entfernt wird und hinterher geht's in die
00:03:04: Chirurgie, dann ist eventuell die Situation für ein Sofortimplantat vorbei und auch die Situation,
00:03:13: um das Weichgewebe wirklich gut zu managen, schon im Rahmen der Extraktion. Wenn sofort
00:03:21: implantiert wird, auch da sind wir in der Regel dabei, dass wir das Weichgewebe verdicken. Wenn
00:03:27: wir einen Zahn extrahieren, ohne zu implantieren, dann versuchen wir, die Alveole zu verschließen
00:03:33: mit einem Kombinationstransplantat aus Epithel und subepithelialem Bindegewebe, so der Dicke
00:03:39: von 3,5 bis 4 mm aus dem Tuber oder aus dem Gaumen. Es hat zwei Vorteile: Wir haben vor der
00:03:47: Implantattherapie ausreichend vertikale Dicke von dem Weichgewebe und in meinen Augen, aber das ist
00:03:54: nicht wirklich gut belegt, bekommen wir weniger Knochenresorption, wenn die Alveolenheilung mit
00:04:01: einem dicken Weichgewebe darüber erfolgt. Die Alveole füllen wir in der Regel auf mit
00:04:05: einem PRF-Clot, dann lassen wir es heilen. In der Sofortimplantation haben wir zwei Möglichkeiten:
00:04:12: Wir implantieren sofort in richtiger, nach palatinal versetzter Implantatposition,
00:04:17: das ist wichtig, und augmentieren trotzdem in allen Fällen das bukkale Weichgewebe, indem wir
00:04:23: entweder ein autologes Bindegewebstransplantat oder eine azelluläre dermale Matrix in einen
00:04:29: kleinen Tunnel nach bukkal einbringen, weil da eben Studien zeigen, dass wenn man das gerade im
00:04:35: Rahmen der Sofortimplantation nicht macht, doch die Gefahr von so 1mm Weichgeweberezessionen
00:04:40: bukkal einfach gegeben ist. Deswegen haben wir diese zwei unterschiedlichen Techniken,
00:04:46: die wir da verwenden. Das heißt, du musst vor der Implantation eigentlich schon sehr gut wissen,
00:04:51: was auf dich zukommt, gut vorplanen, was natürlich auch eine gute Kommunikation mit den Zuweisern
00:04:56: erfordert. Genau, und deswegen ist es einfach wichtig, denke ich, dass der oder diejenige,
00:05:00: die den Zahn entfernen oder die das Implantat setzen, möglichst auch den Zahn entfernen, damit
00:05:06: eben das entsprechende Weichgewebemanagement auch gleich durchgeführt wird oder vorher abgesprochen
00:05:11: wird. Ich glaube, in der ästhetischen Zone ist das Schlechteste, was man machen kann, einen
00:05:15: Zahn zu entfernen, ohne sich um das Weichgewebe zu kümmern. Man bekommt hinterher dünnes Weichgewebe
00:05:21: Invagination, das macht dann das Leben einfach viel, viel schwieriger. Gehen wir mal kurz auf
00:05:27: die Implantatsysteme ein, die in der Diskussion natürlich überwiegend im Zusammenhang mit dem
00:05:33: Hartgewebe stehen, aber es gibt sicherlich auch Präferenzen, wenn du das Weichgewebe betrachtest,
00:05:38: bezüglich der Implantat-Hardware. Kannst du da was dazu sagen? Ja, da ist für mich ganz klar:
00:05:43: Ich mache mir das Leben leichter prothetisch, wenn ich im Seitenzahngebiet große Zähne
00:05:49: rekonstruieren muss, Molaren, wenn ich meine Prothetik an der Implantatschulter,
00:05:55: an einer breiten Implantatschulter, beginnen kann. In der ästhetischen Zone möchte ich
00:06:00: möglichst ein Platform-Switch haben. Ich möchte eine konische Innenverbindung und Abutments,
00:06:06: die sehr, sehr schlank sind im Weichgewebe, damit ich einfach mehr Weichgewebedicke bekomme. Wenn
00:06:11: ich da schon mit großvolumigen Abutments arbeite, dann verdrücke ich mir das Weichgewebe nach bukkal
00:06:18: und damit dünne ich das aus, weil das in der Dicke einfach dann nicht stabil bleibt. Das
00:06:21: heißt für mich ganz klar: Systeme, mit denen ich schlank im Weichgewebe und im Abutment
00:06:26: bleiben kann, bieten da in der ästhetischen Zone absoluten Vorteil. Autologes Weichgewebe
00:06:32: gilt als Goldstandard. Gleichzeitig gibt es heute natürlich auch Möglichkeiten, den Patienten die
00:06:36: Entnahme zu ersparen. Was sind deine klinischen Erfahrungen, du hast es ja schon erwähnt, mit
00:06:41: azellulären dermalen Matrizes? Also im Bereich von Rezessionsdeckung und Weichgewebeaufbau verwenden
00:06:49: wir azelluläre dermale Matrizes seit Ende 2019 und wir sehen in allen Indikationen, in denen
00:06:59: die gedeckt einheilen können, das ist für mich ganz, ganz wichtig, verwenden wir das eigentlich
00:07:04: schon gleichwertig mit dem autologen Gewebe. Da gibt's auch Studien von Herrn Lissek und
00:07:10: Arndt Happe, die zeigen, dass die Ersatzmaterialien da gut zu verwenden sind. Wichtig ist mir in
00:07:18: dem Bereich, wenn wir eine Alveole managen, so wie eben beschrieben, das heißt, dass wir die
00:07:24: Alveole verschließen mit einem Weichgewebe, dann dürfen diese azellulären dermalen Matrizes nicht
00:07:30: in Anwendung kommen, weil sie sonst eben offen einheilen würden. Wenn die offen einheilen, dann
00:07:35: ist die Gefahr, dass sie sich infizieren, groß und dann lösen die sich auf oder es gibt eine größere
00:07:39: Infektion. Genauso ist es kein Ersatz für freie Schleimhauttransplantate, weil sie da eben auch
00:07:48: freiliegen würden. Aber in all den Indikationen, Sofortimplantat, eine Präparation eines Tunnels
00:07:55: bukkal und dann das Einbringen einer Matrix oder eines subepithelialen Bindegewebetransplantates,
00:08:01: sehe ich als relativ gleichwertig. Rein biologisch betrachtet leuchtet ja ein, dass eine ADM nicht so
00:08:09: gleichwertig sein kann wie ein frisch entnommenes Eigentransplantat. Worin siehst du dennoch die
00:08:15: spezifischen Vorteile von der azellulären dermalen Matrix? Ich sag, beides hat Vorteile: das autologe
00:08:21: Gewebe hat Vorteile und die Matrix hat Vorteile. Das erste ist natürlich, dass viele Patienten die
00:08:27: Entnahme scheuen. Die möchten nicht, dass am Gaumen oder woanders im Gewebe entnommen wird.
00:08:33: Die Morbidität für die Patienten ist hinterher deutlich höher, wenn man das entnimmt. Das heißt,
00:08:38: es sind mehr Patienten oder Patientinnen bereit, dass man das Weichgewebe augmentieren darf, und es
00:08:44: entfällt natürlich auch für den Behandler oder die Behandlerin die Entnahme. Das heißt,
00:08:49: die Operationszeit wird kürzer. Gleichzeitig sind die Fälle von Patienten oder Patientinnen,
00:08:57: die einen dünnen Phänotyp des Gewebes aufweisen, die haben oft auch in den Bereichen, wo wir das
00:09:03: Gewebe entnehmen müssen, am Gaumen oder am Tuber, auch dünnes Gewebe, sodass man manchmal die Menge,
00:09:08: die man benötigt, einfach nicht generieren kann. In diesen Fällen ist es natürlich schön,
00:09:14: wenn ich weiß, ich nehme etwas aus der Packung, was eine Größe, die ich mir vorher aussuche,
00:09:18: immer die gleiche Dicke von 1 mm aufweist. Das kann man auch doppelt verwenden, sodass ich damit
00:09:24: ein bisschen spielen kann. Das macht mir die Operation ein bisschen vorhersagbarer, weniger
00:09:29: Morbidität für die Patienten. Aber noch mal ganz wichtig: Es sollte absolut gedeckt einheilen. Der
00:09:37: Lappen darüber muss sehr spannungsfrei liegen. Also das ist operationstechnisch, auch wenn man
00:09:41: sich die Entnahme erspart, nicht unbedingt so viel leichter. Aber wenn wir das so anwenden,
00:09:49: dann sehen wir das als gleichwertig, vorausgesetzt die klinische Performance passt. Wie sieht es dann
00:09:57: an der Stelle mit der Patientenakzeptanz aus, Eigenmaterial oder eben Matrix? Dadurch,
00:10:03: dass die Operationszeit kürzer wird und die Entnahme entfällt, ist es natürlich das,
00:10:08: was die Patienten alle schon mal toll finden, ganz klar, es ist ein Thema, es ist xenogenes Material,
00:10:14: es ist vom Schwein. Das muss man vorher kommunizieren. Da gibt es sicherlich Patienten
00:10:19: und Patientinnen, die sagen: Nein, ich möchte da kein Fremdmaterial. Gut, dann hat man ja noch das
00:10:23: autologe Material. Gleichzeitig gibt es eben auch Studien, die zeigen, dass dieses Material nach 5
00:10:30: Monaten histologisch und immunhistochemisch im Gewebe nicht mehr nachzuweisen ist. Also
00:10:35: das scheint komplett in eigenes Gewebe umgebaut zu werden. Das ist immer so eine Argumentation
00:10:41: für die Patienten, die hinterher sagen: Gut, das wird nicht für immer ein Fremdmaterial bei mir im
00:10:46: Körper bleiben. Wir selektieren die Situation vor. Wenn ich weiß, ich muss autologes Gewebe nehmen,
00:10:53: wie zum Alveolenverschluss, dann wird diese Alternative natürlich gar nicht genannt. Wenn
00:10:58: ich weiß, ich habe Situationen, wo ich das Gewebe gedeckt oder die azelluläre dermale Matrix gedeckt
00:11:03: einheilen lassen kann, dann erklären wir den Patienten und Patientinnen die Alternativen. Und
00:11:09: da würde ich mal so sagen, dass schon so 70-80% sich dann für das Ersatzmaterial entscheiden.
00:11:15: Okay, die Weichgewebedicke hast du erwähnt, ist das eine, eine entsprechende Befestigung
00:11:22: das andere. Warum ist befestigte Mukosa so wichtig für den Langzeiterfolg? Das ist eine wirklich gute
00:11:29: Frage, weil es wissenschaftlich auch noch gar nicht so hundertprozentig geklärt ist. Auch da
00:11:33: gibt es durchaus Studien, die sagen, wenn gut gepflegt wird, brauchen wir keine befestigte
00:11:39: periimplantäre Mukosa. Der klinische Alltag sieht da so ein bisschen anders aus, denke ich,
00:11:44: in den meisten Praxen. Deswegen glaube ich auch, dass sich so in der implantologischen Welt sehr
00:11:50: gut durchgesetzt hat, dass wir davon ausgehen, zumindest 2 mm befestigte periimplantäre Mukosa
00:11:58: zu generieren. Warum? Wenn das Gewebe bis an die Implantatschulter beweglich ist und man putzt,
00:12:05: dann kann das manchmal zu Irritationen führen, das tut ein bisschen weh. Die Patienten und
00:12:10: Patientinnen putzen einfach schlechter. Wir bekommen mehr Plaqueakkumulation und langfristig
00:12:16: dann, wenn die Plaque sich akkumuliert an dem Implantat, eben auch Knochenverlust. Und das
00:12:21: können wir eben verhindern, indem wir oder was heißen verhindern, besser machen, indem
00:12:27: wir befestigte periimplantäre Mukosa generieren. Welche Freilegungstechniken wendest du dann an, um
00:12:35: eben befestigte und genügend dicke periimplantäre Mukosa zu kreieren? Ja, das ist deswegen müssen
00:12:43: wir noch mal zurück zum Anfang, wo wir das gesagt haben. Wenn wir das Implantat gesetzt haben und
00:12:49: jetzt bei der Freilegung feststellen, wir haben in der Vertikalen zu wenig, dann ist es schwierig,
00:12:56: weil wir das Implantat freilegen und vertikal gleichzeitig Gewebe zu verdicken. Da können
00:13:01: wir durch einen apikalen Verschiebelappen nach bukkal, also das Gewebe, das krestal liegt, wird
00:13:07: mit einem Spaltlappen nach bukkal verschoben. Dann bekommen wir da schöne befestigte periimplantäre
00:13:13: Mukosa, aber wir gewinnen nichts an Dicke. Das gleiche ist so in der Front. Deswegen ist das
00:13:18: Konzept, dass wir bei der Implantation in der Vertikalen genügend Weichgewebe aufbauen. In
00:13:25: der Front, wenn wir extrahiert haben, durch das autologe Transplantat im Seitenzahngebiet autolog
00:13:32: oder durch eine Matrix im Seitenzahngebiet apikal verschieben. Und in der Front ist es so, dadurch
00:13:39: dass wir bei der Extraktion dieses Transplantat in der Höhe von 3,5-4 mm eingebracht haben,
00:13:46: deepithelialisiere ich den Bereich über dem Implantat, mache eine U-förmige Inzision und
00:13:53: rolle das Gewebe, das sich über dem Implantat befindet, in so eine kleine Tasche nach bukkal
00:13:58: und befestige das mit einer Naht. Das heißt, das Gewebe, das wir bei der Extraktion gewonnen
00:14:04: oder aufgebaut haben, das nehme ich später bei der Freilegung, um es nach bukkal zu schieben,
00:14:09: damit wir dann in der ästhetischen Zone auch ausreichend befestigte Mukosa haben. Plus,
00:14:15: was in der ästhetischen Zone nicht immer so das Problem ist mit der befestigten, aber vor allen
00:14:18: Dingen, dass wir ausreichend Dicke kreieren, damit die prothetischen Teile nicht durchscheinen. Okay,
00:14:24: du betreibst viel Aufwand, um das Weichgewebe zu schaffen. Wie würdest du die Verbindung
00:14:29: zwischen Implantat bzw. Abutment und Weichgewebe bezeichnen? Was können wir da maximal erreichen?
00:14:36: Ja, auch darüber denke ich, kann man lange diskutieren. Das Gewebe wächst ja nicht wirklich
00:14:42: fest an den Materialien. Das zweite ist eben nicht so wie bei dem Zahn, dass wir Bindegewebefasern
00:14:47: haben, die irgendwo ins Implantat inserieren. Das nächste ist, dass das periimplantäre Gewebe
00:14:53: sehr schlecht durchblutet ist. Da fehlt der Gefäßplexus aus dem Parodontalspalt. Das heißt,
00:14:58: wir haben schlecht durchblutetes Narbengewebe. Die bindegewebigen Fasern laufen zirkulär um
00:15:04: das Abutment oder die Krone herum, und wenn wir eine Verbindung bekommen, dann kann das nur eine
00:15:09: Hemidesmosom-Anheftung des Gewebes sein. Das ist eine Verbindung, die eben nicht sehr stark ist.
00:15:16: Und jetzt gibt es da unterschiedliche Konzepte. Die einen sagen, wenn wir jetzt davon ausgehen,
00:15:21: gerade in der ästhetischen Zone, dass wir Zirkon-Abutments benutzen, dass diese eine
00:15:28: gewisse Rauhtiefe aufweisen sollen, bei der die Plaqueakkumulation minimal ist, aber durch die
00:15:34: Rauigkeit die Anheftung des Gewebes etwas besser funktioniert. Genauso gibt es andere Gruppen,
00:15:39: die sagen: Nein, das Zirkon sollte komplett hochglanzpoliert sein, dann ist eine bessere
00:15:44: Anheftung des Gewebes da. Gibt's unterschiedliche Studien zu. Ich denke, da ist das letzte Wort
00:15:50: noch nicht gesprochen. Bei anderen Materialien, Lithiumdisilikaten, die im Moment viel verwendet
00:15:55: werden, ist glaube ich auch wichtig, dass die Oberfläche eine gewisse Glätte hat, also nicht zu rau ist.
00:16:00: Und das Wichtigste: keine Verblendkeramik und keine Glasur im Bereich der Mukosa,
00:16:06: dass man darauf wirklich achtet, damit es die Anheftung gibt. Dann ist die Frage, wie pflegt man
00:16:11: das oder pflegen die Patienten und Patientinnen das? Da ist es bei uns in der Praxis so, dass
00:16:16: wir den Patienten Interdentalraumbürsten an die Hand geben und das demonstrieren, um das zu pflegen.
00:16:23: Weil bei der Verwendung von Zahnseide ist immer die Gefahr, dass wenn durch den Approximalkontakt
00:16:28: durchgegangen wird, die Zahnseide einfach zwischen prothetischer Rekonstruktion auf
00:16:33: dem Implantat und dem Weichgewebe rutscht und man immer diese Anheftung zerstört und dann
00:16:39: langfristig eher eine Tasche kreiert, als dass man sauber macht. Und die Idee ist ja,
00:16:43: dass das Weichgewebe so gut an der Prothetik anliegt, dass eben keine Plaqueakkumulation
00:16:50: da stattfindet. Deswegen muss man auch in der Tiefe quasi nicht reinigen. Das heißt,
00:16:54: deine DHs sind auch entsprechend instruiert mit dem periimplantären Gewebe sensibel umzugehen.
00:17:00: Genau, das ist einfach, die müssen, sag mal so,
00:17:03: alle, die eben in der Prophylaxe arbeiten, sollten so instruiert werden,
00:17:08: dass sie eben wissen, dass das Gewebe um die Implantate eben nicht mit einer Gingiva an einem Zahn zu vergleichen ist.
00:17:16: Es ist vorsichtiger zu behandeln, es ist deutlich sensibler und da muss
00:17:20: man einfach genauer hingucken und vorsichtiger reinigen. Schlussfrage: Welche Techniken siehst
00:17:25: du als besonders geeignet an, um in den Bereich des Weichgewebemanagements einzusteigen? Das ist,
00:17:33: sag mal, das Weichgewebemanagement, viele verbinden damit immer: Oh, ich muss Transplantate
00:17:38: entnehmen, freies Schleimhauttransplantat oder ein subepitheliales Bindegewebe. Ich denke, die
00:17:44: simpelste Methode, wo relativ wenig schiefgehen kann, ist, dass man im Seitenzahngebiet einfach
00:17:48: schaut, und das wird so selten gemacht, wie dick ist das Gewebe krestal. Wenn man dann feststellt,
00:17:54: okay, das ist dünn, wird das Implantat gesetzt und unter den Lappen ein Ersatzmaterial platziert.
00:18:02: Muss natürlich hinterher gut verschlossen werden und dann kann man da schon mal sehen, okay, wir
00:18:07: gewinnen an Dicke, wir haben genug Dicke für die biologische Breite, können das hinterher und das
00:18:14: ist die nächste Technik, nach apikal verschieben. Das ist dann nicht so sensibel, es ist definitiv
00:18:19: besser als gar nichts zu machen, sondern einfach in bewegliche und dünne Mukosa zu implantieren,
00:18:25: weil das wird zu den genannten Problemen eventuell führen. Und das ist ein sehr, sehr guter Einstieg,
00:18:30: weil es ist besser als nichts machen und wenn es am Anfang nicht so ganz funktioniert,
00:18:35: wird es trotzdem besser rauskommen, als die Situation so zu lassen. Das ist das
00:18:40: im Seitenzahngebiet. Und in der Front denke ich, das Wichtigste am Weichgewebemanagement ist die
00:18:46: Absprache zwischen Chirurgie und Prothetik, die Situation zu erkennen, wann ist ein
00:18:51: Sofortimplantat wirklich geeignet, wann sollte man spät implantieren und dass man sich eben abspricht
00:18:58: mit der Chirurgie, dass in irgendeiner Form das Weichgewebe über der Alveole verdickt wird. Und
00:19:04: für diejenigen, die dann einsteigen möchten in das Weichgewebemanagement in der Front, denke ich, ist
00:19:09: es ganz simpel, diesen Rolllappen zu präparieren. Das heißt also, nicht das Gewebe über dem
00:19:15: Implantat entfernt wird, das ist das Schlechteste, was wir machen können, oder irgendwie nur
00:19:21: verdrängt wird, sondern dass man anfängt, so kleine Rolllappen zu präparieren und das Gewebe,
00:19:26: das über dem Implantat liegt, nach bukkal einzuschlagen. Das ist eine simple Technik, wo so
00:19:31: gut wie nichts schiefgehen kann. Und das sind so Dinge, glaube ich, wo man für die Patienten ganz
00:19:35: viel Benefit erreicht und relativ wenig passieren kann. Jan, vielen Dank für die Tipps aus der
00:19:42: Praxis zu einem sehr relevanten Thema. Vielen Dank, dass ich da sein durfte. Gerne, danke, Olli.
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