Episode 11: Zweiteilige Abutments und ihre Verklebung
Shownotes
Bei der Verklebung von Titanbasen CAD/CAM mit Zirkon- oder Lithiumdisilikat-Aufbauten müssen sich Zahnärzte auf das grundlegende Wissen und die Präzision ihrer Zahntechniker verlassen. Von Carsten Fischer, ZT aus Frankfurt, gibt es in dieser Folge Tipps und eine klare Rezeptur für eine dauerhafte Verbindung dieser zwei Komponenten. Auch sind die gute Abstimmung und genaue Absprachen zwischen Behandler und Zahntechniker in diesem Herstellungsprozess essenziell. So rückt er die Oberflächengestaltung des submukösen Bereichs in den Fokus, denn dadurch kann die Förderung der Fibroblastenanlagerung initiiert werden. So übernimmt der Zahntechniker nicht nur Verantwortung für die ästhetische Rekonstruktion, sondern trägt auch zum Schutz des periimplantären Knochens und Erhalt einer langzeitstabilen Weichgewebemanschette bei.
Das Video zu dieser Podcast-Episode hier. Alle Voices of Implantology-Videos unter https://www.voices-of-implantology.com/.
Transkript anzeigen
00:00:00: Hallo mein Name ist Carsten Fischer, ich bin selbständiger Zahntechniker und beschäftige
00:00:04: mich nun seit 25 Jahren mit Implantatprothetik. In dieser VOI-Folge möchte ich euch über mein
00:00:09: besonderes Steckenpferd die Hybridverbindung also zweiteilige Abutments und ihre Verklebung
00:00:14: berichten. Wir sprechen über Tipps, Tricks, Erfahrungswerte und sichere Standards,
00:00:18: die wichtig sind hier ein dauerhaft gutes und sicheres Ergebnis zu erzielen.
00:00:25: Wir haben auf der einen Seite das konfektionierte Hilfsteil, die sogenannte Ti-Base auf der anderen
00:00:30: Seite haben wir den individuellen CAD/CAM Aufbau aus Zirkonoxid und Litiumdisilikat. Beide Teile
00:00:36: müssen sicher und dauerhaft miteinander verbunden werden, es ist klar, dass es hier
00:00:40: sichere Standards geben muss und eine klare Rezeptur, wie wir im Alltag vorgehen. Das ist
00:00:45: im Wesentlichen eine zahntechnische Domäne, die auch im zahntechnischen Labor durchgeführt werden
00:00:50: sollte, ich persönlich halte nicht so viel von der Klebung im Praxisalltag, sondern bin der Meinung,
00:00:57: dass es hier unter labortechnisch Bedingung, unter Mikroskop mit sicheren Standards gemäß
00:01:03: einem feststehenden Kochrezept erfolgen muss, die sogenannte Ti-Base ist eine Klebebasis,
00:01:08: die an der minimalen Dimension gebaut ist, sie unterliegt natürlich einem sicheren Standard,
00:01:13: das ist alles gemessen und hier sind wir auch auf der sicheren Seite, dennoch warum sage ich
00:01:19: das? Natürlich ist im Alltag entsprechend den Patientensituation auch immer die Verlockung da,
00:01:24: auch hier vielleicht noch ein Eckchen zu reduzieren und so weiter grundsätzlich heißt
00:01:28: hier die Antwort nein. Ich werde immer wieder gefragt, müssen die Oberflächen nun gestrahlt
00:01:32: werden oder kann ich das auch ready-to-use vom Anbieter so verwenden, wie es mir geliefert wird?
00:01:37: Neuartige Komponenten sind bereits vom Hersteller gestrahlt, das ist aus meinem Blickwinkel
00:01:42: die sicherste Variante, denn das Strahlen bringt natürlich auch Unsicherheitsfaktoren.
00:01:51: Die korrekten Daten sind 30 bis 50 Mikrometer Aluminiumoxid in einem Abstand von 10 cm
00:01:58: und gewinkelt, sodass wir dort eine optimale Retention auch erreichen, dasselbe geschieht
00:02:04: auf der Klebeoberfläche des Zirkumoxids also der Innenseite.
00:02:15: Jetzt ist die Frage, welchen Kleber verwende ich und wie gehe ich vor? Wir wollen am Beispiel des Multilink-Hybrid-Abutment-Klebers
00:02:19: des Multilink-Hybrid-Abutment-Klebers das sichere Prozedere ein Stück weit beleuchten. Dieser Kleber zeichnet sich aus durch
00:02:25: eine hohe Opazität es ist ein dualhärtendes Material, das ist aus meinem Blickwinkel ein sicherer
00:02:30: Aspekt und ist für diese prothetische Anwendung auch freigegeben, auch das ist wichtig, dass nur
00:02:36: Kleber verwendet werden, die vom Hersteller für diesen Bereich auch entsprechend geprüft
00:02:40: und valide abgesichert sind. Also irgendeinen Kleber verwenden, das ist in diesem Bereich nicht
00:02:45: angesagt, denn die Sicherheit steht im Vordergrund und das ist die wichtigste Voraussetzung,
00:02:55:
00:02:56: Oberste Prämisse, Sauberkeit am Arbeitsplatz, ein Mikroskop ist natürlich vorteilhaft, ich verwende
00:03:01: grundsätzlich zunächst einmal eine Klebehilfe, denn alle innenliegenden Bereiche und wir haben
00:03:07: auch dort sensible Gewindegänge und so weiter, müssen vor dem Strahlkorund und Klebeüberschüssen
00:03:11: geschützt werden. Nach dem Strahlvorgang müssen beide Oberflächen noch im Ultraschallbad
00:03:17: entsprechend gereinigt werden, hierfür bietet sich Ethylalkohol mit hohen Prozentanteil an.
00:03:22: Genaue Daten haben wir im Abspann für euch bereitgestellt. Nach der Reinigung im
00:03:27: Ultraschallbad sind die Teile optimal vorbereitet und für die Klebung einsatzbereit und bei dem
00:03:33: genannten Kleber ist es wichtig, dass beide Oberflächen nun mit Monobond Plus entsprechend
00:03:37: eingestrichen werden und wir 30 bis 40 Sekunden verweilen, das Material verflüchtigt sich von alleine
00:03:43: und nun sind die Oberflächen entsprechend perfekt vorbereitet und konditioniert. Die Klebung
00:03:49: kann also beginnen, wie bereits gesagt, ist das Material selbsthärtend. Ich nehme also meine
00:03:53: Kartusche in die Hand, habe meine aufgesteckte Mischkanüle bereit und setze am Rand Material
00:03:59: auf der Klebebasis direkt auf. Beide Teile werden nun zusammengefügt es empfiehlt sich im Vorfeld
00:04:05: mit einem wasserfesten Stift die Richtung in etwa vorzugeben, aber bitte nicht in der Region des
00:04:11: Klebespalts, um dort keine Farbveränderung zu provozieren. Es ist nur, dass jetzt im Prozess
00:04:16: selber man Orientierung hat und wir wissen da wird man schnell hektisch, ja, es geht ja auch um etwas
00:04:21: also das ist ein kleiner Tipp aus der Praxis. Durch die angesetzte Nocke auf der Klebebasis finde ich
00:04:27: die sichere Endlage, bei neuartigen abgewinkelten Klebebasen ist der Retentionsanteil oben am Kamin
00:04:33: zu suchen, auch hier in der Grafik zu sehen. Immer wieder werde ich gefragt, Casten jetzt gibt es ja
00:04:38: einen Kleberüberschuss, wir können gut erkennen, die Hülse wird in Position gebracht der Überschuss
00:04:43: tritt aus und liegt auf dem Metallansatz also der Klebefuge, soll ich nun während des
00:04:49: Abbindeprozesses vielleicht mit einem Schaumpellet schon den Überschuss beseitigen? Meine Empfehlung
00:04:53: ist hier ein klares Nein. Wir lassen grundsätzlich seit vielen Jahren den Überschuss stehen,
00:04:58: denn mal angenommen ich habe vielleicht doch einen minimalen Klebespalt und würde hier
00:05:03: bereits beseitigen, habe ich einen Unterschnitt, den ich nachher nur sehr schwer, wenn überhaupt,
00:05:08: entsprechend auspolieren kann. Das heißt der Überschuss bleibt stehen und wird dann mit
00:05:12: entsprechenden rotierenden Instrumenten sorgsam abgetragen, so kann ich sicherstellen, dass ich
00:05:17: einen spaltfreien Übergang habe und das ist das was ich in diesem besonders sensiblen submukösen
00:05:22: Bereich auch brauche. Wir haben ja bereits gesagt, es handelt sich um ein dualhärtendes Material,
00:05:26: das heißt, wir haben einen selbst härtenden Anteil und wir brauch brauchen natürlich entsprechend
00:05:31: unsere Lichthärtung, achtet bitte darauf, dass auch in regelmäßigen Abständen das Lichthärtegerät
00:05:37: auf seine Qualität und Lichtleistung geprüft wird auch wenn wir an dieser Stelle zahlreiche Tipps
00:05:43: Euch mit auf den Weg geben, sind natürlich die Herstellerangaben immer richtungsweisend hierfür
00:05:48: ist obere Prämisse, dass wir zunächst einmal ein Schutzanalog aufstecken, um die sensiblen Bereiche
00:05:54: zu schützen. Wir haben nun einen Kleberüberschuss, der muss mit einem entsprechenden rotierenden
00:05:59: Instrument, was dafür geeignet ist, beseitigt werden, hier kann nicht so jeder seines machen und
00:06:04: einfach die Instrumente seiner Wahl verwenden, es sollten immer geprüfte Instrumente sein, die auch
00:06:09: eine wirkliche ausgewiesene Eignung dafür haben. An dieser Stelle würden wir mit dem in der Grafik
00:06:14: zu sehenden Instrument den Überschuss beseitigen, das ist eine gröbere Vorstufe, es ist wichtig,
00:06:20: dass der Überschuss zunächst einmal beseitigt wird und nicht das Instrument vollsetzt, die
00:06:25: Feinbearbeitung, die Oberflächengestaltung kommt erst Anschluss, wenn der Überschuss beseitigt ist.
00:06:35:
00:06:35:
00:06:36: Ja, das ist eine zentrale Frage, die immer wieder heiß diskutiert wird. Habe ich als Zahntechniker
00:06:41: eine Möglichkeit die Oberfläche entsprechend zu optimieren, kann ich hier etwas leisten,
00:06:46: was nachher zuträglich ist für die Anlagerung von Fibroblasten oder generell für eine positive
00:06:53: Auswirkung auf den submukösen Anteil? Wir haben gemeinsam in den letzten Jahren hierzu einiges
00:06:57: an Literatur erstellt, wem es Freude macht, hier kann man die Sachen gut und valide nachlesen.
00:07:04:
00:07:08: Der nächste Schritt ist das Entfernen der Klebehilfe und nun habe ich alle Komponenten vorliegen,
00:07:13: wir sehen, das gefügte Hybridabutment, wir sehen die Arbeitsschraube und wir haben bereits die Originalschraube im Visier.
00:07:22: All das ergibt eine Einheit. Als abschließender Prozess ist nun die Reinigung entsprechend vorzunehmen.
00:07:29: Ja Reinigung, das ist ein sensibles Thema. Wir alle haben so ein bisschen den Dampfer im Kopf. Wir dampfen noch einmal kurz rüber,
00:07:36: aber das ist natürlich keinerlei valide Reinigungsmethode. Hier hat der Gesetzgeber klare Vorgaben, die man auch
00:07:41: nachlesen kann aber uns ist es wichtig, dass hier eine Absprache mit den Teampartnern in der Praxis
00:07:46: getroffen werden. Warum überhaupt Reinigung? Ja, wir haben durch den ganzen Klebeprozess nun
00:07:51: Auflagerungspartikel und einfach generell Schmutz sowohl in den innerliegenden als auch aufliegenden
00:07:57: Bereichen, vielleicht im Kamin oder auch an der Schraube, all das muss natürlich rückstandslos
00:08:02: beseitigt werden. Für uns hat in den letzten Jahren hier das dreistufige Ultraschallprotokoll
00:08:07: gute Dienste geleistet, die wir auch nachweisen können. Es beginnt mit der chemischen Reinigung,
00:08:12: 5 Minuten bei 30° und einem handelsüblichen Ultraschallgerät von etwa 45 Hz. Die
00:08:18: nächste Reinigungsstufe wäre der hochprozentige Ethylalkohol, alle Objekte werden dort eingefügt,
00:08:23: bitte die Arbeitsschraube auch nicht vergessen und die spätere finale Schraube bleibt jungfräulich
00:08:29: verschlossen. Der abschließende Reinigungsprozess ist nun mit gereinigtem Wasser vorzunehmen und
00:08:35: danach ist das Objekt gereinigt und desinfiziert. Ja, das ist ein großer Vorteil und nun gilt es
00:08:41: gemeinsam zu besprechen, wie diese Teile in die Praxis geraten sollen, sie eingeschweißt werden,
00:08:47: mit einer entsprechenden Legende versehen werden oder sollen sie auf das gereinigte
00:08:52: Modell aufgesetzt werden, das ist etwas, das so muss im sicheren Workflow mit
00:08:57: den Teampartnern besprochen werden, so dass es dort nicht zu Irritation kommt.
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